Herzlich willkommen

Rückblick auf die Kick-Off-Veranstaltung des CoCreActive Beteiligungsprozesses „Bildung + Digitalisierung“

Am 24.11.2017 haben wir den CoCreActive Beteiligungsprozess „Bildung + Digitalisierung“ gestartet.

 

Wir haben uns zur Kick-Off-Veranstaltung im Pädagogischen Institut in der Ledererstraße 19 getroffen, und gleichzeitig unser Online-Konsensierung eröffnet.

CoCreActive Online-Konsensierung

Ablauf Kick-Off-Veranstaltung

Beim Kick-Off waren neben uns 4 Moderatoren ein gutes Dutzend Teilnehmer dabei: Lehrerinnen, Bildungs-Expertinnen, Eltern einer demokratischen Schule, Aktive von Schule im Aufbruch, eine Partizipations-Expertin, Berater, IT-Experten – eine gute Mischung.

Den Ablauf haben wir in fünf Schritte (A bis E) aufgeteilt.

A. Ankommen und Kennenlernen

Zuerst hat Stephan die Teilnehmer begrüßt und CoCreActive kurz vorgestellt – so wie auf unserer Homepage auf BenE München.

Dann erklärte Thomas kurz, warum BenE München an diesem Thema so interessiert ist: Es gibt erste Überlegungen eine Arbeitsgruppe gründen, die sich für Digitalisierung im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung befassen will. Der CoCreActive Beteiligungsprozess liefert dieser Gruppe wichtigen Input. 

Auch werden die Dialogforen der Münchner Rück Stiftung das Thema Digitalisierung 2018 mit fünf Veranstaltungen aufgreifen.

Danach kamen die Teilnehmer zu Wort. Wir haben festgestellt, dass wir eine gute Vielfalt von Menschen, Rollen und Interessen dabei hatten, und dass bei vielen der Wunsch da war, das Thema Bildung und Digitalisierung von “unten” mit zu gestalten.

 

B. Landkarte zu Bildung und Digitalisierung

Thomas und Jürgen stellten mögliche Eckpunkte einer Landkarte vor: Wir denken, zum Thema gehören die Fragen nach dem “wozu”, “wer”, “wo” und natürlich “was” und “wie”. Bei der Digitalisierung spielt auch die Infrastruktur eine wichtige Rolle. Der Fokus sollte auf dem Raum München sein.

Danach gab es vier Impulse, was zu Bildung + Digitalisierung schon läuft.

  1. Learning City – Sicht der UNESCO zu Bildung
  2. Oberbayern 2030 – Sicht der Wirtschaft und IHK auf Bildung + Digitalisierung
  3. Digital to School – was hilft die beste Technik in der Schule, wenn die Lehrer*innen damit nicht umgehen können? Dier Digitalbus kommt mit Technik und Know-How zu Medienbildung in die Schule.
  4. Wenn wir in Unternehmen anders arbeiten wollen, sollten wir unseren Kindern ermöglichen, das zu Lernen was dafür wichtig ist. Das Augenhöhe macht Schule Projekt zeigt in kurzen Videos, was heute schon möglich ist und warum sich das “wozu” verändert.

Die Impulse haben deutlich mehr Zeit gebraucht als geplant, u.a. weil der Vorführ-Effekt bei der Technik (Internet-Verbindung und Beamer) zugeschlagen hat. 

 

Danach kam die Frage an die Teilnehmenden: über was wollen wir denn heute Abend sprechen? Das darf gerne ein großes und komplexes Thema sein.

Jürgen und Bernd notierten auf Flipcharts, was den Teilnehmern wichtig war. Dabei nutzten wir die Technik von Dynamic Facilitation, also keine Reihenfolge bei Problemstellung, Ideen, Einwände und Informationen zu erzwingen, sondern einfach aufzunehmen was gerade da ist, und dabei immer nach Lösungsideen zu fragen. Das hat ganz gut funktioniert. Teilweise kamen so viele Beiträge, dass beide mit dem Schreiben nicht hinterher kamen.

Nach 20 Minuten hatten wir einige Lösungsvorschläge, und eine Veränderung der Problemstellung: Von “Digitalisierung kommt von oben” und “Digitalisierung kommt von überall” waren wir bei “Welche Digitalisierung brauchen die Menschen” angelangt.

 

C. Ideen sammeln und Stimmungsbild

Bernd erklärte uns als nächstes systemisches Konsensieren. Mehr dazu finden Sie auf http://entscheiden-muenchen.de .

CoCreActive verwendet systemisches Konsensieren nicht nur im Dialog in den Präsenzveranstaltungen, sondern auch online im Konsensierungs-Tool, um möglichst viele Menschen zu erreichen und so Lösungsvorschläge zu finden, die eine hohe Akzeptanz haben.

Also haben wir die Vorschläge zur Konsensierungsfrage: “Was wollen wir mit Blick auf 2018 gemeinsam anschieben, damit Bildung und Digitalisierung in München in eine gute Richtung gehen?” gleich ins Kosensierungs-Tool unter http://gruppenentscheidung.de eingegeben und konnten dann ein erstes Stimmungsbild sehen.

 

D. Kreative Phase

Bernd und Stephan erklärten dann, wie die kreative Phase des systemischen Konsensierens funktioniert.

Danach kam die Frage an die Teilnehmenden: über was wollen wir denn heute Abend sprechen? Das darf gerne ein großes und komplexes Thema sein. Jürgen und Bernd notierten auf Flipcharts, was den Teilnehmern wichtig war. Dabei nutzten wir die Technik von Dynamic Facilitation, keine Reihenfolge zwischen Problemstellung, Ideen, Einwände und Informationen zu erzwingen, und nach Lösungsideen zu fragen. Das hat ganz gut funktioniert. Teilweise kamen so viele Beiträge, dass beide mit dem Schreiben nicht hinterher kamen. Nach 20 Minuten hatten wir einige Lösungsvorschläge, und eine Veränderung der Problemstellung: Von “Digitalisierung kommt von oben” und “Digitalisierung kommt von überall” waren wir bei “Welche Digitalisierung brauchen die Menschen” angelangt. C. Ideen sammeln und Stimmungsbild Bernd erklärte uns als nächstes systemisches Konsensieren. Mehr dazu finden Sie auf http://entscheiden-muenchen.de . CoCreActive verwendet systemisches Konsensieren nicht nur im Dialog in den Präsenzveranstaltungen, sondern auch online im Konsensierungs-Tool, um möglichst viele Menschen zu erreichen und so Lösungsvorschläge zu finden, die eine hohe Akzeptanz haben. Also haben wir die Vorschläge zur Konsensierungsfrage: “Was wollen wir mit Blick auf 2018 gemeinsam anschieben, damit Bildung und Digitalisierung in München in eine gute Richtung gehen?” gleich ins Kosensierungs-Tool unter http://gruppenentscheidung.de eingegeben und konnten dann ein erstes Stimmungsbild sehen. D. Kreative Phase Bernd und Stephan erklärten dann, wie die kreative Phase des systemischen Konsensierens funktioniert.

Wir suchten vier Vorschläge, bei denen es hohen Widerstand gab. Es fanden sich auch vier Personen, die im Dialog erfahren wollten, welche Bedürfnisse bei dem Vorschlag nicht erfüllt waren und wie sie der Vorschlag abwandeln könnten damit er weniger Widerstand erhält. Bernd hatte die Farben der bayrischen Spielkarten als Markierung für Ecken im Raum aufgestellt (im Bild oben sieht man die Schelln), unter der sich die Dialog-Gruppen einfanden.

 

E. Ausblick und Feedback

Wie geht es nun nach der Kick-Off-Veranstaltung weiter? Jürgen erläuterte kurz den CoCreActive Prozess.

Prozessbild CoCreActive

 

Damit sich möglichst viele Menschen online beteiligen, bitten wir alle Teilnehmer und Interessierte, in ihren Kreisen, Organisationen und Gruppen zur Teilnahme an der aktuell laufenden Online-Konsensierung und der kreativen Phase am 19.1. einzuladen.

Kalender CoCreActive Bildung + Digitalisierung

Die Konsensierung unter https://gruppenentscheidung.de/30 läuft noch bis zum 2. 2. 2018, und bis zum 21.1. sind noch neue Vorschläge möglich.

Am 2.2. bieten wir bei der Abschluss-Veranstaltung einen Schnupperkurs zur gewaltfreien Kommunikation, schauen gemeinsam welche Vorschläge die höchste Akzeptanz haben und feiern die Teilnehmer, die Vorschläge und den gelungenen Beteiligungsprozess.

Feedback

Da wir uns ja verbessern wollen, haben wir am Ende noch nach Feedback gefragt und viel Lob, und einige konkrete Vorschläge zur Verbesserung erhalten.

 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihr Engagement und sind gespannt, wie der Beteiligungsprozess weiter laufen wird!

 

Das CoCreActive Team

CoCreActive - kooperativ + kreativ + aktiv

Beteiligungsprozess CoCreActive: “ Bildung + Digitalisierung in München“

Beteiligungsprozess CoCreActive

CoCreActive ist einen neuen Beteiligungsprozess der alle einbezieht, Spaß macht und zu konkreten Ergebnissen führt.

Alle können sich kreativ mit eigenen Ideen einbringen.

Das CoCreActive Team startet einen Beteiligungsprozess im Auftrag von BenE München, um das Thema Bildung und Digitalisierung in München zu beleuchten und gemeinsame Aktionen für 2018 zu erarbeiten.

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Beispiele zu systemischem Konsensieren

Wie funktioniert systemisches Konsensieren in der Praxis? Was haben wir erlebt?

Hier sind zwei Beispiele zu systemischem Konsensieren.

Beispiel 1: An welchem Wochentag wollen wir uns regelmäßig treffen?

2016 haben Bernd und Jürgen systemisches Konsensieren und Konsent-Moderation in einem Blog-Eintrag nebeneinander gestellt, und zur Veranschaulichung des systemischen Konsensierens dieses einfache Beispiel verwendet, weil diese Frage in der Praxis oft vorkommt:

An welchem Wochentag wollen wir uns regelmäßig treffen?

Da ist es gut, wenn man neben der Mehrheitswahl oder der Order de Mufti (einer entscheidet) noch andere Verfahren wie systemisches Konsensieren kennt und anwenden kann.

Damals war mir wichtig, moderne kooperative Verfahren zur Entscheidungsfindung zu präsentieren, die effektiv und wirksam sind. Inzwischen möchten wir auch betonen, dass systemisches Konsensieren (und auch der Konsent) kreativitätsfördernde und konfliktlösende Methoden sind.

 

Warum konfliktlösend?

Es geht nicht darum, dass ein Vorschlag gewinnt, sondern dass wir uns viele Vorschläge anschauen und unseren Widerstand dazu messen. Damit verändert sich die Gruppendynamik, und wir bewegen uns aufeinander zu. Das erreichen wir durch Wertschätzung für jeden Vorschlag und der Trennung zwischen Mensch und Vorschlag. Wenn wir den Menschen zuhören und verstehen wollen warum sie hohen Widerstand gegen unseren Vorschlag haben, ist es sehr leicht auch ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und nach einer Lösung zu suchen, die alle einbezieht.

Warum kreativitätsfördernd?

Jeder kann Vorschläge einbringen. Und wir können unsere Vorschläge verbessern, damit andere weniger Widerstand haben.

Wie funktioniert das jetzt mit dem einfachen Beispiel der 5 Wochentage?
Wo ist da die Kreativität?

Tatsächlich war das Beispiel in Blog rein fiktiv. Ich habe es kurz darauf allerdings auch real angewendet und kam zu diesen Widerstandswerten:

Daraus lässt sich ableiten:

  • Gegen Donnerstag und Freitag gibt es hohe Widerstände
  • Keinen festen Wochentag zu verwenden (also die Passivlösung: es bleibt alles wie es war) hat noch höhere Widerstände
  • Der Abstand zwischen Mo, Di und Mi ist beim Widerstand noch geringer als bei der Zustimmung.

Als Moderator stand ich vor dem Flipchart und dachte mir: und jetzt? Wir haben kein eindeutiges Ergebnis. Was tun?

Da kam aus von einem Teilnehmer der kreative Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir uns abwechselnd Mo, Di und Mi treffen? Dann verwenden wir die Tage an denen wir am wenigsten Widerstand haben und es trifft nicht immer die gleichen, sondern jeden alle 3 Monate einmal.

Dieser Vorschlag wurde mit Null Widerstand angenommen.

Das ist ein schönes Beispiel, wie eine Gruppe in einer kooperativen Grundhaltung kreativ werden kann.

 

Beispiel 2: Zeitplan für Workshop mit Teilnehmern bestimmen

Das zweite Beispiel ist tatsächlich auch so passiert. Diese Geschichte zeigt wie sich die Stimmung von Widerstand zu Kooperationsbereitschaft verändert.

Ein Seminarleiter ließ mit SK über die Seminarzeiten abstimmen. Die zehn Teilnehmer sollten eine Lösung finden, wie 15 Seminarstunden auf drei Tage zu verteilen sind.

Nach der Vorschlagssammlung und der Abstimmung hatte zunächst ein Vorschlag mit 70 % Akzeptanz gewonnen.

Der Seminarleiter fragte: „Hat da nicht bei diesem Vorschlag eine Person noch 10 Widerstandspunkte gegeben?“ Eine Person meldete sich: „Ja, das war ich. Am Sonntag um 9:00 Uhr ist mir zu früh. Da komme ich nicht.“

Eine weitere Person schlug daraufhin vor: „Dann fangen wir eben am Sonntag um 9:30 Uhr an.“

Dieser Vorschlag wurde anschließend mit einer Akzeptanz von 93 % gewählt. Die Person, die zuvor noch 10 Widerstandspunkte gegeben hatte, hatte nun nur noch 7 gegeben, alle anderen Teilnehmer hatten den Vorschlag mit „null“ bewertet.

Ganz erstaunt fragte die Person: „Ich verstehe nicht, was gerade passiert ist. Die anderen mir doch entgegengekommen. Warum geben sie plötzlich gar keinen Widerstand mehr?“

Der Seminarleiter antwortete: „vielleicht wollten sie dich einfach dabei haben“. Daraufhin meinte der Teilnehmer: „Mein innerer Widerstand schmilzt gerade auf nur noch 3 Widerstandspunkte.“

Womit der Vorschlag eine Akzeptanz von 97 % erreicht hatte. Mit einem Mal veränderte sich die Atmosphäre im Raum. Alle Anwesenden erlebten ein Gefühl der Rührung und Verbundenheit. Mit SK war in kürzester Zeit ein gemeinsamer Spirit entstanden.

Der Teilnehmer erschien an besagtem Sonntag pünktlich um fünf Minuten vor halb zehn.

 

Jürgen und Bernd

feedback schleife

Delegation und Buddy-Groups in der Soziokratie

Die Soziokratie ist eine Organisations- und eine Entscheidungsmethode. Die Entscheidungsmethode Konsent funktioniert prima für Gruppen von 5-20 Menschen.

Wie kann man größere Gruppen in gemeinsame Entscheidungen einbinden?
Durch Kreisstrukturen (Hierarchien) mit doppelter Verknüpfung.

In klassischen Hierarchien fließt Information (und Anweisungen) meist von oben nach unten. Feedback von unten nach oben ist oft nicht geregelt und von den Aktivitäten des Vorgesetzten abhängig.

Delegation und doppelte Verknüpfung

Die Sdoppelte verknüpfungoziokratie löst das durch die doppelte Verknüpfung: Der Leiter / die Leiterin des (eines grauen) Kreises wird von oberen / inneren Kreis gewählt und sorgt dafür, dass Aufträge von oben (gelber Kreis) ausgeführt werden. Die oder der Delegierte wird vom unteren (grauen) Kreis gewählt und achtet darauf, dass der Kreis das auch tatsächlich ausführen kann, sitzt mit der Leitung im oberen (gelben) Kreis und kann ihre Sichtweisen und Einwände einbringen. Der/ die Delegierte sorgt auch dafür, dass Meldungen bei der Ausführung wieder zurück in den oberen Kreis kommen.

Die verknüpften Kreise sorgen auch dafür, dass alle Teilnehmer bei der Beschlussfassung gleichwertig sind. Denn obwohl Teilnehmer der unteren (grauen) Kreise an einer Entscheidung des oberen / inneren (gelb) nicht direkt beteiligt sind, haben sie neben der Kontroll-Funktion der Delegierten noch die Möglichkeit, zurückzumelden, dass die Entscheidung so nicht umgesetzt werden kann. Sie können also ihr Feedback und ihre schwerwiegenden Einwände noch einbringen. So können sie Entscheidungen die nicht alle relevanten Aspekte berücksichtigen, von „unten“ nachsteuern.

 

Buddy Groups

Wenn Ihre Organisation eine soziokratische Struktur hat, herzlichen Glückwunsch, dann können Sie das direkt anwenden. Und wenn nicht? Wie kann die Idee der Delegierten geübt und in einfachen Szenarien für Feedback und Nachsteuerung genutzt werden?
Dazu hat Barbara Strauch vom Soziokratie-Zentrum Österreich die Idee der Buddy-Groups entwickelt. Ich habe das in Soziokratie-Trainings erlebt, und war überrascht, wie schnell man vom Teilnehmer zum Mit-Gestalter werden kann.

Buddies sind Kumpel. Die einfache Idee ist, dass wir in Gruppen von 10-20 Personen trotz expliziter Erlaubnis im Allgemeinen dünn und gefiltert  Feedback geben. Das ist in kleinen vertrauten Runden, eben unter Buddies ganz anders: Hier wird direkt geredet wie einem der Schnabel gewachsen ist, Dampf abgelassen, oder Klartext gesprochen.

 

Diesen Buddy-Gruppen wählen eine/n Delegierte/n, der/die das Feedback der Kleingruppe in  zu den Seminar-Leitern bringt.  Die Delegierten saßen also mit den LeiterInnen in einem oberen (inneren) Kreis, und haben das Feedback meist etwas angepasst weitergebeben – idealerweise die emotionalen Äußerungen schon gewaltfreier (also ohne Vorwürfe und pauschale Verurteilungen, stattdessen in Beobachtungen, daraus folgenden Gefühlen wie Frust oder Unsicherheit und den zugrundeliegenden Bedürfnissen) formuliert.
Das Erlebnis der Kursleitung war, dass das Feedback „runder“ ankommt und besser aufgreifbarer ist. Für die Delegierten war es interessant die Ansichten der anderen Delegierten und der Leitung zu erfahren.

Am nächsten Morgen habe die Delegierten dann in ihrer Kleingruppe berichtet was sie in der inneren Runde erfahren haben – sowohl von den anderen Delegierten als auch von den LeiterInnen. So waren alle immer eingebunden und hatten eine Übersicht über das Feedback und die Reaktion.

Das Feedback bezog sich teilweise auf den gelernten Stoff und teilweise auf Randbedingungen wie Zeiten und Pausen einhalten, oder mehr Transparenz über Ziele von Übungen.

 

Wir konnten am zweiten und dritten Tag dann alle merken, dass dieses Feedback zur Struktur umgesetzt wurde. Wir haben dann uns gegenseitig angeschaut und uns zugenickt: Siehst Du, jetzt tun sie das worum wir sie gebeten haben! So haben wir erlebt, dass wir als Teilnehmer des Kurses einen Teil dazu beigetragen haben, den Kurs zu verbessern und im Sinne der Soziokratie „nachgesteuert“ haben – wir konnten die Entscheidungen die die Kursleiter für die Ausführung des Seminars getroffen haben, in einigen Punkten korrigieren.
Wir hatten zwar nie eine direkte Beteiligung an der Entscheidung, wie der Kurs ablaufen soll, aber wir konnten das Ergebnis korrigieren. So kann eine Struktur mit Kreisen und Delegierten dazu beitragen, dass Entscheidungen die andere betreffen und für die es bessere Lösungsvorschläge gibt, nachgesteuert und verbessert werden können.

 

 

Das Systemische Konsensprinzip: einfach – schnell – konfliktlösend

Diese Methode ermöglicht kreative Lösungen, die einem Konsens oft sehr nahe kommen und ist für Gruppen jeder Größe anwendbar. Das Besondere: Sie funktioniert sehr einfach und schnell und wirkt dabei konfliktlösend.

Die konfliktlösende Wirkung ist die erstaunlichste Eigenschaft dieser Methode, denn wir kennen das von der Mehrheitswahl anders: Die Mehrheitswahl wirkt polarisierend, da sie immer Sieger und Verlierer erzeugt. Beim Systemischen Konsensieren können alle zunächst kreativ werden, sie müssen aber schon im Eigeninteresse versuchen, alle Wünsche und Bedürfnisse in der Gruppe einschließlich von Minderheiten optimal in ihren Vorschlägen zu berücksichtigen, denn nur, wer sich so verhält, bekommt die Chance, dass sein Vorschlag gewählt wird. Systemisches Konsensieren verändert daher die Gruppendynamik. Alle bewegen sich aufeinander zu. Warum ist das so? Beim Systemischen Konsensieren wird nicht die Zustimmung zu verschiedenen Vorschlägen, sondern deren Konfliktpotenzial gemessen.

Wer denn wenn nicht wir? Workshops zu Soziokratie und Systemisches Konsensieren auf dem Klimaherbst Think Tank

Wer denn wenn nicht wir?
Workshops zu Soziokratie und Systemisches Konsensieren auf dem Klimaherbst Think Tank

Der ThinkTank war eine gemeinsame Veranstaltung von BenE München, dem Netzwerk Klimaherbst und dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, mit Unterstützung durch David Weingartner von Oui Share und vielen ehrenamtlichen Helfern.

Die Einleitung der Zusammenfassung (siehe unten in diesem Absatz) fasst die Motivation ganz gut zusammen:

Praktisch anwenden statt theoretisch analysieren. Zusammen wirken statt alleine meckern.

Es ging um Initiativen und Methoden aus einem breiten Spektrum: Energie, Ernährung, Finanz- und Geldwirtschaft, Stadt-Planung, Repair’n’Recycle, Mobilität, Bildung für nachhaltige Entwicklung (u.a. mit Theorie und Praxis rund um U-Theorie) und „allgemein“ (u.a. Soziokratie und Systemischen Konsensieren).
In  12 Vorträge, 21 Workshops, Marktplatz mit 40 Ständen und einem Filmraum wurden 450 Münchnerinnen und Münchnern präsentiert, wer alles rund um Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit in München aktiv ist.

Eine Broschüre mit der Übersicht und Zusammenfassung aller Beiträge finden Sie auf der Webseite von BenE München (rechts oben klicken), und auch die Bilder von Fabian Norden.

„Unsere“ Workshops

Diesem Beitrag berichtet speziell von den Workshops zu Soziokratie und Systemischem Konsensieren – ein Überblick über die Workshops, die Präsentationen, Impressionen und Feedback aus dem Publikum.

Soziokratie Systemisches Konsensieren Workshop Think Thank

Die Aktiven: Thomas Schwab, Annemarie Schallhart, Smaranda Keller, Christian Hampel, Jürgen Olbricht und Bernd Bötel

Insgesamt gab es zu diesem Thema vier Workshops – ein Überblick zu Soziokratie und ihren Vorteilen, zum Systemischen Konsensieren mit Praxisbeispiel, der Konsent der Soziokratie als Wir-Kultur zum Mitmachen, und einen gemeinsamen Workshop Konsent und Systemischem Konsensieren.

Das Feedback einer Teilnehmerin, alle vier Workshops besuchte, war:
Die Soziokratie und Systemisches Konsensieren Workshops waren wirklich Klasse. Warum lerne ich jetzt erst etwas über solche Methoden?

 

Annemarie Schallhart – Zusammenarbeit auf Augenhöhe – Soziokratie für jede Organisation

Annemarie Schallhart. Foto: Fabian Norden

annemare schallhart präsentation

Kurzfassung:

Soziokratie verbessert die Kooperationsfähigkeit, die Selbstorganisation, erleichtet Übernahme von Mitverantwortung, ermöglicht ganzheitliche Entfaltung des Einzelnen und verbessert das Innovationspotential von Organisationen.

Gerade bei selbst-organisierten Unternehmen mit einem sinnvollen Organisationszweck (evolutionären Organisationen im Sinn von Frederic Laloux) ist Soziokratie ein perfekte Ergänzung. Annemarie Schallhart zeigte auf wie Soziokratie auch für andere Organisationen diese Schlüsselkompentenzen etablieren kann:

  • Bei Behörden  liegt der Schwerpunkt meist auf Sicherheit und klare Regeln. Entscheidungen zentral getroffen werden.
    Hier kann die Soziokratie mehr Mitverantwortung und Selbstständigkeit fördern, und über Feedback zusammen mit der Führungsmannschaft gemeinsames Lernen geübt werden.
  • In Unternehmen herrscht meist Gewinnmaximierung und Konkurrenzdenken vor. Rationale Entscheidungen führen zu Kompromissen.
    Die Ausrichtung auf gemeinsame Ziele führt vom Kompromiss zu kreativen Ideen und Konsent (Zustimmung) , zusammen mit Transparent vermeidet Soziokratie Auswüchse des Konkurrenzdenkens wie Intrigen und Mobbing.
  • Bei Vereinen und Initiativen liegt der Fokus eher auf dem Sinn und nachhaltigem Wirtschaften. Sie bieten meist viel Partizipation und (zu) viele Freiräume. Entscheidungen erfolgen im Konsens (Übereinstimmung). Soziokratie führt zu funktionalen Strukturen und effizienten Entscheidungsprozessen und kann laterales Führen ermöglichen.

Die Präsentation von Annemarie Schallhart finden Sie auf ihrer Webseite unter http://www.schallhart.com/downloadfiles/Soziokratie-Klimaherbst-2016.pdf

Stimmen aus dem Publikum:

  • Da das ein neues Thema für mich war, war der Rahmen sehr knapp und man konnte nicht richtig eintauchen. Trotzdem war der Workshop sehr interessant. Das Prinzip Soziokratie wurde durch einen sehr praktischen Ansatz vorgestellt. Es kann in den drei Bereichen Behörde, Unternehmen und Verein angewendet werden, obwohl diese sehr unterschiedlich sind.“

Soziokratie – Wir-Kultur ist lernbar – Einführung und praktische Übung

Kurzfassung:
Die Arbeitsgruppe Soziokratie von BenE München (Christian Hampel, Smaranda Keller, Thomas Schwab und Jürgen Olbricht) boten nach einer kurzen Einführung in Soziokratie die Möglichkeit die Konsent-Moderation an einem allgemeinen Thema, dem Familienauto, zu erleben.

soziokratie-praxis-workshop-themaErfreulicherweise stellte sich auch Thomas Jäger als Moderator zur Verfügung, so dass fünf Gruppen das Thema parallel in Informationsrunden, Meinungsrunden und Konsent-Beschluss (also ohne schwerwiegende Einwände) ausprobieren konnten.

Die Präsentation, also die Einführung und die Beschreibung des Themas, finden Sie hier.

Stimmen aus dem Publikum:

  • Es gab eine theoretische Einführung in die Soziokratie-Theorie. Anschließend konnten wir in einem Praxis-Teil in Gruppenarbeiten das Gelernte erleben. Die praktische Übung war wichtig, um die Theorie zu verstehen.
  • Soziokratie hört sich groß (und kompliziert an), „Wir-Kultur ist lernbar“ ermöglicht einen guten Einstieg.

Systemisches Konsensieren

Bernd Bötel (Foto :Fabian Norden)

Bernd Bötel (Foto :Fabian Norden)

Kurzfassung:

Systemisches Konsensieren fördert kreative Lösungen, die einem Konsens oft sehr nahe kommen. Alle Teilnehmenden einer solchen Abstimmung können Vorschläge einbringen. Jeder kann jeden Vorschlag einzeln mit 0 bis max. 10 Widerstandspunkten bewerten, je nachdem, ob er keinen Einwand oder einen starken Widerstand gegen den Vorschlag empfindet. Ein Moderator fragt: „Wie groß ist euer Widerstand gegen Vorschlag A (B, C, D…)?“ Die Teilnehmenden halten anschließend eine entsprechende Anzahl von Fingern in die Höhe. Der Vorschlag, der den geringsten Gesamtwiderstand erzeugt, gewinnt die Abstimmung. Auf diese Weise wird derjenige Vorschlag gewählt, dem es am besten gelingt, die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse in der Gruppe zu integrieren.

Während die herkömmliche Mehrheitswahl eine polarisierende Wirkung hat, unterstützt SK eine Gruppendynamik, in der sich alle aufeinander zu bewegen. Dies funktioniert prinzipiell in Gruppen jeder Größe und unabhängig vom „guten Willen“ der Beteiligten. SK setzt keine besondere Schulung oder kooperative Haltung bei den Teilnehmenden voraus. In großen Gruppen können Online-Werkzeuge (siehe www.konsensieren.eu) für die Abstimmung eingesetzt werden.

Im Workshop wurden sowohl schnelle Varianten etwa für einfache ja-/nein-Entscheidungen besprochen als auch ausführliche Varianten für wichtige Gruppenentscheidungen. In der ausführlichen Variante folgt nach einem Stimmungsbild nach dem SK-Prinzip und vor der abschließenden Abstimmung eine kreative Phase, in der die Teilnehmenden die Widerstände gegenseitig erkunden, um die Vorschläge weiterzuentwickeln. Für die Anpassung der Vorschläge können diese Fragen verwendet werden: „Welche Bedürfnisse sind für Dich bei meinem Vorschlag nicht erfüllt?“, „Wie könnte ich meinen Vorschlag so verändern, dass Du weniger Widerstandspunkte gibst?“

Die Präsentation ist hier nicht hinterlegt, da die Inhalte fast vollständig davon auf der Seite Systemisches Konsensieren eingearbeitet ist.

Stimmen aus dem Publikum:

  • Das Ganze wurde sehr lebendig vorgetragen und war mit einer Übung sehr anschaulich dargestellt. 

 

Konsent in der Soziokratie und Systemisches Konsensieren + sich ergänzende Methoden

Kurzfassung:

Konsent und Systemisches Konsensieren lassen sich vergleichen, da beide Entscheidungsmethoden sind. Die Soziokratie ist eine Organisationsmethode, die mehr umfasst als den Konsent.

Beide Methoden wurden gegenüber gestellt, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und besondere Eigenschaften beleuchtet.

Wenn eine Gruppe sich noch nicht so gut kennt, ist das Systemische Konsensieren ein einfacher Einstieg in gemeinsame Entscheidungen.

Wie lassen sich beide Methoden kombinieren?

  • Konsensieren im Konsent: schnelles Stimmungsbild einholen.
  • Konsent beim Systemischen Konsensieren: Vorbereitung von Vorschlägen in Kleingruppen.

Die Präsentation finden Sie hier.

Stimmen aus dem Publikum:

  • Mir hat die Frage-Session am besten gefallen, da hier ein unmittelbarer Austausch mit den Teilnehmern stattfand. Toll war auch, Bernd Bötel und Annemarie Schallhart persönlich kennen zu lernen

Fazit und Ausblick

Ich zitiere BenE München (aus der ganz oben erwähnten Broschüre):

Die Premiere des Think Tank 2016 ist gelungen. Als neues Format im Rahmen des Münchner Klimaherbstes bot der Think Tank 2016 eine wichtige und vor allen Dingen persönliche Vernetzungsplattform, die es in diesem Rahmen und Umfang in München noch nicht gab.

450 MünchnerInnen besuchten den ganztägigen Klimaherbst Think Tank. 

Der Erfolg des ersten Think Tanks im Rahmen des Münchner Klimaherbstes bereitet den Boden für eine Wiederholung 2017. Die Alte Kongresshalle ist bereits für den 07. Oktober 2017 reserviert. Das Organisationsteam steht für eine erneute Planung, Organisation und Umsetzung bereit und freut sich auf den Think Tank 2017.

Auch uns (Aktiven) hat das Format gut gefallen, und wir haben schon Ideen für 2017. Die gemeinsamen Anstrengungen und Präsentationen von Soziokratie und Systemischem Konsensieren gab auch den Ausschlag, diese Plattform zum Austausch über diese beiden Entscheidungsmethoden ins Leben zu rufen (ähnliche Methoden dürfen gerne folgen).

(Bernd Bötel und Jürgen Olbricht)

 

Servus und Herzlich Willkommen auf entscheiden-muenchen.de

Servus und Herzlich Willkommen auf
entscheiden-muenchen.de!

Auf entscheiden-muenchen.de finden Sie Informationen zu Events, Hintergründe, Aktivtäten zu Soziokratie und Systemischem Konsensieren in München.

Das sind demokratische und partizipiative Entscheidungsmethoden, die uns ein zukunftsfähiges Zusammenarbeiten in einer Wir-Kultur ermöglichen.

Gemeinsam entscheiden mit Soziokratie und Systemisches Konsensieren

Bei der soziokratischen Konsent-Moderation und dem Systemischen Konsensieren wird bei Entscheidungen über schwerwiegende Einwände bzw. Widerstand festgestellt, wie sehr ein Vorschlag im Sinne eines gemeinsames Ziels für alle tragbar sind. Das ermöglicht der Gruppe gemeinsam noch bessere Vorschläge zu finden.

Soziokratie ist zusätzlich noch eine Organisationsmethode.

Trotz der sperrigen Namen sind beide Verfahren leicht erlernbar, regen die Kreativität an, schaffen Vertrauen und wirken konfliktlösend. Sie nutzen das Wissen und die Erfahrung vieler oder aller Beteiligten und sind effektiv.

Soziokratie und Systemisches Konsensieren sind in der Wirtschaft, in der Verwaltung oder im Verein oder in Initiativen anwendbar. Die Voraussetzung ist dass eine Gruppe ein gemeinsames Ziel  hat und die Entscheidung gemeinsam treffen oder vorbereiten kann.

Weitere Methoden für kreatives gemeinsames Entscheiden werden hier ebenfalls erwähnt werden.

Inhalt von entscheiden-muenchen.de

Auf entscheiden-muenchen.de soll ein Austausch stattfinden über:

  • was in und um München zum Thema Entscheiden passiert,
  • welche Veranstaltungen es gibt,
  • wo man weitere Informationen findet
  • Blog-Beiträge von unterschiedlichen Anwendungsfällen.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Stöbern und freue mich auf Rückmeldungen!

Jürgen Olbricht