Soziokratie - 4 Grundlagen

Soziokratie

Soziokratie - gemeinsam entscheiden, gemeinsam regieren

Wie kann eine Entscheidungsmethode diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen unter einen Hut bringen:

  • Wie kann man gemeinsam entscheiden und gleichzeitig effektiv arbeiten?
  • Wie die Bedürfnisse des Einzelnen und gleichzeitig die der Organisation berücksichtigen?

Diese Quadratur des Kreises schafft die soziokratische Kreisorganisationsmethode (SKM) für Gruppen und Organisationen.

 

Soziokratie - Quadratur des Kreises

Grundlagen

Soziokratie (griechisch: die Gefährten regieren) ist eine Organisationsform und eine Entscheidungsmethode (die Konsent-Moderation). 

Beiden liegt die Idee von Kreisen zugrunde, in denen Menschen gleich-wertig gemeinsam an Zielen arbeiten. Grundsatzentscheidungen, d.h.Themen die alle angehen und wichtig sind, werden im Konsent gemeinsam getroffen. Konsent (mit t) bedeutet Zustimmung, nicht Übereinstimmung wie beim Konsens (mit s).
Wenn es keine schwerwiegenden Einwände gibt, haben wir einen Konsent.

Funktionsträger (z. B. Moderatoren, Logbuchführer und Protokollführer  werden in einer offenen Wahl gewählt - jede(r) schlägt offen eine Person vor, und wie im Konsent können Meinungen verändert werden und gemeinsam gewählt werden. Die Wahl ist meist zeitlich begrenzt (Moderator und Protokollführer typischerweise auf eine Sitzung, Logbuchführer etwa für ein halbes Jahr).

In der soziokratischen Organisation werden Kreise doppelt miteinander verknüpft, d.h. die Leitung und ein/eine Delegierte(r) des unteren Kreises sitzen auch in den Entscheidungsrunden des oberen Kreises und haben im Konsent Mitspracherecht.
Doppelt, weil es zwei Personen sind, und doppelt, weil Aufgaben über die Leitung von oben nach unten fließen, und der/die Delegierten von unten nach oben zurückmeldet, ob der Kreis die Aufgabe durchführen kann.

Die 4 Grundlagen der Soziokratie

Soziokratie - 4 Grundlagen

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal wird noch eine fünfte Grundlage beschrieben, nämlich die der dynamischen Steuerung: Der Kreis hat ja grundsätzliche Beschlüsse gefasst.
Bei der Ausführung eines solchen Beschlusses wird gemessen, wie wirksam er ist oder ob es schwerwiegende Probleme gibt, dann wird das an den Kreis zurückgemeldet. Dieser kann dann mit diesen Informationen einen besseren Beschluss fassen. Es ist sehr beruhigend wenn Beschlüsse nicht für die Ewigkeit gefasst werden, sondern überprüft und angepasst werden. Dieses Vorgehen ist agil und nachhaltig zugleich.

Vorteile

  • Jede(r) wird gehört - die Kreisstruktur sorgt dafür dass sich auch die "Leisen" einbringen können
  • Zustimmung ist effektiver als Übereinstimmung - statt sich auf eine Meinung zu einigen fragen wir ab ob die Entscheidung im Sinne des Ziels tragbar ist. 
  • Einwände betrachten wir als Bereicherung, um einen bessere Entscheidung finden zu können. Statt von unseren Meinungen überzeugen zu wollen bauen wir Einwände kreativ in die Entscheidung mit ein.
  • Alle sind an der Entscheidung beteiligt und tragen sie damit auch mit. So werden Beschlüsse nachhaltig.
  • Wir machen Konsente für Grundsatzenbeschlüsse die dieser Kreis beschließen kann - also nicht für alles - und sind damit effektiv.
  • Der Prozess der Konsentmoderation schafft Vertrauen und kann Entscheidungen in 30 Minuten herbeiführen.
  • Entscheidungen müssen nicht für die Ewigkeit sein - Einwände und Unsicherheiten können dazu führen, dass die Entscheidung nach einer Zeit wieder überprüft wird. Das schafft Agilität.

 

Wann passt Soziokratie?

Wenn es Gruppen / Kreise gibt, bei denen alle gleich-wertig an einer gemeinsamen Aufgabe oder einem gemeinsamen Ziel arbeiten, kann die Konsent-Moderation zur Entscheidungsfindung eingesetzt werden.

Ein typisches Beispiel für so einen Kreis ist eine Gruppe in einem Wohnbauprojekt. Ein Wohnbauprojekt ist auch ein gutes Beispiel für soziokratische Organisationen (wo durch die doppelter Verknüpfung sichergestellt ist dass alle in der Organisation berücksichtigt werden). Natürlich lassen sich Konsent-Moderation und soziokratische Organisation auch in anderen Bereichen einsetzen. Es gibt Beispiele von Wirtschaftsunternehmen oder Schulen, z.B. auf der Seite soziokratie.org .

Eine inspirierende Darstellung, wie Soziokratie zu Organisationsformen passt und wo sie welche Vorteile bringt, hat Annemarie Schallhart beim Klimaherbst 2016 auf dem BenE Think Tank in ihrem Workshop "Zusammenarbeit auf Augenhöhe - Soziokratie für jede Organisation" vorgestellt:

Sie sagt, dass die Soziokratie (als Organisationsform und die Konsent-Moderation als Entscheidungsmethode) nicht nur gut zu evolutionären Unternehmen (wie sie Frederic Laloux beschreibt) passt, sondern gerade auch für traditionelle Organisationen wie Behörden, Unternehmen und Vereine bzw. Initiativen Vorteile bringt: die letztendlich Energie die normalerweise für Bürokratie, Konkurrenzkampf oder Konsens-Diskussionen verpuffen, kreativer und sinnvoller für Organisation und Menschen der Organisation fließen kann.

In selbstorganisierten agilen Gruppen (meist daran erkennbar dass sie die Methoden SCRUM oder Kanban einsetzen) lassen sich Entscheidungen mit dem Konsent gut nutzen, da alle am gemeinsamen Ziel arbeiten und alle Wertvolles beitragen können.

Grundsätzlich ist es auch eine gute Idee, Betroffene bei Veränderungen einzubeziehen und sie dazu zu Beteiligten zu werden. Wenn sie bei der Vorbereitung, der Entscheidung und der Umsetzung eingebunden werden, verbessert das deutlich die Chancen dass die Veränderung auch angenommen wird. 

Wenn die Entscheidung traditionell erfolgen muss, z.B. im Verein wegen der Satzung oder den gesetzlichen Vorschriften, kann man mit der Konsent-Moderation oder der offenen Wahl gut Entscheidungen vorbereiten. Wenn dort alle schwerwiegenden Einwände ausgeräumt wurden, kann klassisch gewählt und entschieden werden.

Die offene Wahl lässt sich in Gruppen, in denen sich alle recht gut kennen, gut einsetzen - ohne den Konsent oder die Organisationsform mit der doppelten Verknüpfung vorauszusetzen.

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